Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Trevor Noah: Ins hohen Gras

„Wenn die Phantasie eine Rakete ist, dann sind Bücher ihr Treibstoff“

Irmtraud Gutschke

Der Junge im Buch mag viel von seinem Autor haben. Auch Trevor Noah ist als Kind ein Wildfang gewesen, der so oft wie möglich den Ermahnungen seiner Mutter entfliehen wollte. Nach draußen, ins „wilde Unbekannte“, wo es so viel zu entdecken gab. Der Junge im Buch – wie alt mag er sein – will mit seinem Teddy Walter an einem Samstagmorgen etwas Aufregendes erleben. Das Laubmonster fangen oder eine riesige Wolke? Aber Walter besteht aufs Zähneputzen. Als ob er in der Mutterrolle wäre, ermahnt er das Kind, sich „an die Regeln“ zu halten, danach sei man frei. Aber der Junge setzt sich durch: Raus aus dem eigenen Garten, hinein ins „hohe Gras“!

Ein Gartenzwerg hilft, das Tor zu öffnen, nachdem er sich in den Konflikt des Jungen mit den „Regeln“ hineingedacht hat. In einem wilden Wald folgen sie dem Wettrennen zweier Schnecken, die sich über den schnellsten Weg zu einem Fallapfel nicht einigen konnten. Plötzlich ein Grummeln. Oder war es Walters Bauch, der an Waffeln dachte? Oder ein großer Bär, aber der ist hier nicht gefährlich. Schwierig wird es an einer Weggabelung. Walter hofft, dass ein Weg nach Hause führt. Der Junge will nicht gleich zurück. Da entdecken sie mehrere Münzen im Gras, die sogar sprechen können. Kopf oder Zahl: Im Streitfall sollte man Kompromisse schließen. „Manchmal trifft man die richtige Entscheidung, und es geht schief, dann wieder trifft man die falsche Entscheidung, und alles geht gut.“ Ist das so?

Trevor Noah gibt zu, dass im Hintergrund dieser Geschichte Konflikte mit seiner Mutter liegen, die verlangte, dass er die Schnürsenkel bindet, das Zimmer aufräumt, den Rasen mäht … Immer suchte er nach Schlupflöchern, die Regeln zu umgehen. Aber heute denkt er auch voller Dankbarkeit daran, wie die Mutter ihm vorlas. In wunderbaren Welten fanden sie zusammen. „Wenn die Phantasie eine Rakete ist, dann sind Bücher ihr Treibstoff. Sie schärfen den Geist und helfen ihm, über das hinauszublicken, was er von sich aus verfassen kann.

Trevor Noah stammt aus Südafrika. Mit ihren Illustrationen hat Sabina Hahn das Buch ins europäische Umfeld gebracht. Es ist ja eines von denen, die weder eine konkreten Ort noch einen Zeitbezug brauchen, die immer stimmen – für Kinder ab fünf wie für ihre Eltern und Großeltern.

Trevor Noah: Ins hohe Gras. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Illustriert von Sabina Hahn. Insel Verlag, 128 S., geb., 20 €.

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