Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

33 Wörter, die dein Leben verändern

Sprachmagie

Irmtraud Gutschke

Brauchen wir Kommunikationstraining? Können wir nicht einfach so reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist? Wobei der Titel dieses Buches klug gewählt ist: „33 Wörter, die dein Leben verändern“. Zum Guten ist natürlich gemeint. Um mit sich selbst und anderen besser zurechtzukommen. Weshalb also nicht Ratschläge annehmen von einer Germanistin, die als Texttrainerin arbeitet, was immer das auch bedeuten mag.

Und es ist ja auch wahr: Wörter können verbinden und verletzen, können Klarheit bringen oder alles nur noch schwieriger machen. Mit „aber“, „leider“ oder „Problem“, die erst einmal bloß nüchtern klingen, ziehen Sorgen auf. Kannst du dich erklären mit „weil“ oder mit „noch & bereits“ wird der Druck minimiert, unter dem wir doch alle stehen. „Jederzeit“ kann falsche Erwartungen wecken. Und „nicht“ hat noch deutlicher eine dunkle Seite. Ist es denn so schwer, negative Aussagen in positive umzuwandeln?

Also achtsam sein mit dem, was man sagt. Sprache bewusster zu gebrauchen. Ob das kalkulierte Kommunikation sei, habe ich mich beim Lesen gefragt. War dann aber umso mehr gepackt von der Lektüre, als ich begriff: Es geht gar nicht nur ums Kommunizieren, sondern um den Zusammenhang von Wahrnehmung und Sprache. Auch oder gar vornehmlich bei einem selbst. Denn Sprache und Denken stehen in wechselseitigem Zusammenhang.

Insofern steckt in diesem Buch ein riesiges Versprechen: Mit sich selbst und der Welt besser klarzukommen. „Nur Mut, es werde gut!“ „Nur Geduld!“ So kann man sich und andere bestärken. „Jetzt“: Was für ein kraftvoller Impuls! „Erst“ strahlt Unsicherheit aus. „Sicher“ signalisiert Verlässlichkeit, die wir doch alle suchen.

Da ist Doris Lind mehr als nur ein Lehrstück für Sprachkompetenz gelungen. Auf intuitive Weise antwortet das Buch auf die Verhältnisse, unter denen wir leben, mit denen wir irgendwie zurechtkommen müssen, auch wenn unsere Sehnsüchte darüber hinausweisen. Jede, jeder mag sich beim Lesen fragen, an welchen Punkten die Sehnsüchte besonders stark sind.

Ob wir nicht einfach so reden könnten, wie uns der Schabel gewachsen ist, habe ich am Beginn dieses Textes gefragt. Das heißt, ich will es unkompliziert. Meine ich damit erholsam oder effektiv? Wenn es letzteres ist, sollte ich „müssen“, wenn es geht, meiden. Öfter „hier“ denken und Sätze mit „ja“ beginnen. Sprachmagie? Es wird Spaß machen, das mal auszuprobieren.

Doris Lind: 33 Wörter, die dein Leben verändern. Knesebeck, 191 S., br., 20 €.

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