Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Helen Stephens: huhu, Herr Schuhu

Kleine sind manchmal klüger

Von Irmtraud Gutschke

Sie haben feine Antennen, beobachten uns Erwachsene genau. Und manchmal scheint es, als ob sie besser hören und sehen als wir, was wahrscheinlich daran liegt, dass Erwachsene Wahrnehmungen ausblenden. Ein kleines Kind aber sieht jedes Stäubchen auf dem Boden und versteht uns, wenn wir leise sprechen. „Ich mag kein Feuerwerk“, sagte meine kleine Enkelin. Da bin ich ein Vogel, fliege dorthin und sage: Macht nicht so laut.“ Wobei sie solche Empfindlichkeit nicht davon abhält, selber mal übermütig zu kreischen.

Der kleine Ben aus diesem Buch hat die Eule sofort entdeckt, als sie am Fenster vorbeiflog. Papa aber glaubte ihm nicht. Und als er Mama um einen zweiten Haferkeks bat, weil die Eule den ersten stibitzt hatte, gab sie ihm lächelnd, was er wünschte, konnte sich aber nicht vorstellen, was der Junge ihr erzählte. Der hat aber ein ganz besonderes Glück. Wenn er „Hu-huh“ rief, bekam er Antwort von „Herrn Schuhu“. So nannte er den Vogel. Eines Winterabends, als er Ben einen Fäustling gestohlen hatte, meinte der Vater, er hätte ihn nur verloren. Der Junge aber stellte sich vor, wie „Herr Schuhu“ es sich auf dem Wollhandschuh gemütlich machte. „Es ist keine echte Eule, oder? Niemand sieht ihn außer dir.“ So lieb lächelt Mama dabei. Aber wie fühlt sich Ben? Was erstaunlich ist: Wie geduldig der Kleine es aushält, von den Erwachsenen nicht ernst genommen zu werden. Unbeirrt zu bleiben, dem eigenen Wissen treu sein zu können – wenn er mal groß ist, wird ihm das sehr zugute kommen.

Dann aber gibt die britische Autorin und Kinderbuchillustratorin dem Buch eine überraschende Wendung: Ben rettet „Herrn Schuhu“, und alle müssen ihm glauben. Schon als Achtjährige habe sie Eulen gemalt, bekennt Helen Stephens. In ihrer Straße habe es tatsächlich solch einen Vogel gegeben, der in einem der großen alten Bäume lebte. Doch als einige Erwachsene die Bäume fällten, um hellere Straßenlaternen aufzustellen, habe sie ihre Eule nie wiedergesehen. – In diesem Buch aber findet alles ein gutes Ende. Es ist für Kinder ab vier gedacht, aber auch jüngere können daran Freude haben.

Helen Stephens. Huhu, Herr Schuhu. Annette Betz Verlag, 40 S., geb., 14,95 €.

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