Wie nur Großmütter lächeln können
Irmtraud Gutschke
Autorin und Illustratorin sind noch so jung, sie können keine Omas sein. Aber sicher haben sie liebe Großmütter, bei denen sie sich mit diesem Buch bedanken. Anna und Tarek – Cousine und Cousin – hatten sich gedacht, über die Ferien allein mit Oma zu sein und sind überhaupt nicht froh, dass daraus eine Zeit zu dritt wird. Warum? Weil sie ungeteilte Aufmerksamkeit wollen. Das ist tatsächlich genau beobachtet. Kinder von heute sind so. Unsereinem hat man das abgewöhnt. So nachvollziehbar hat Johanna Lindemann von diesem Kinderwunsch erzählt, so schön hat Andrea Stegmeier diese Zweisamkeit gemalt.
Die Oma hat es gut, sie wird geliebt. Aber es kann auch anstrengend sein. Anna spielt mit der Großmutter „Mensch ärgere dich nicht“ und lässt sich nebenbei den Schokoladenkuchen schmecken. Aber da klingelt das Handy, und Tareks Besuch wird angekündigt. Empört schreit sie auf, was sie vielleicht sogar getan hätte, wenn nur eine Bekannte angerufen hätte. Weil Oma in diesem Moment von ihr abgelenkt worden wäre. Gerade Einzelkinder ertragen das schwer.
Aber die beiden hier sind nicht mehr so ganz klein, sondern kluge Vierjährige, für die das Buch auch gedacht ist. Die werden ihren Spaß an den Ideen haben, wie man Streit aus dem Weg geht, indem man die Oma „teilt“. Oben und unten, hinten und vorn – das ist natürlich ungerecht. Linke und rechte Hälfte, das scheint zu gehen. Und diese großartige Großmutter spielt sogar mit. Zum Abendessen rollt sie mit der linken Hand Pizzateig aus, während sie mit der rechten Spaghetti umrührt. So sind die Omas heutzutage, auch wenn sie sich dann vor Erschöpfung nicht mehr auf den Beinen halten können. Ein kurzes Nickerchen und kein Protest, wenn die Kinder, gerade zu Bett gebracht, wieder herumtoben und spielen wollen. Da lächelt Oma „wieder ihr Lächeln, das nur Omas lächeln können“.
Johanna Lindemann und Andrea Stegmaier: Oma teilen. Annette Betz Verlag, 32 S., geb., 16 €.