Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Anthony Horowitz: Mord in Highgate

„Sie müssen das Muster finden“

Anthony Horowitz bringt den Stil von Arthur Conan Doyle ins Heute

Von Irmtraud Gutschke

Seit seiner Jugend ist er ein Sherlock-Holmes-Fan und hat auch selbst drei Sherlock-Holmes-Romane verfasst. Auch zwei, in denen James Bond im Mittelpunkt steht. Für Kinder und Jugendliche schrieb er, zum Beispiel in seiner 13-teiligen Agentenserie um den 14-jährigen Alex Rider, ebenso wie für Erwachsene. In „Die Morde von Pye Hall“ (Insel Verlag, 2018) ließ er eine Verlagslektorin ermitteln, der wir demnächst wiederbegegnen können, denn die Originalausgabe liegt bereits vor. Und auch der Privatdetektiv Daniel Hawthorne aus vorliegendem Buch gehört zu einer Serie. Im vorigen Jahr erschien bereits „Ein perfider Plan“.

Und nun „Mord in Highgate“. „Ich glaube nicht, dass die Leser auf einen toten Scheidungsanwalt besonders scharf sind“, bekommt der Autor auf Seite 238 von seiner Literaturagentin zu hören. Aber genau darum geht es in dem Fall, in den Horowitz, gerade bei Dreharbeiten zu einer neuen Serie (in der Tat ist er auch auf diesem Gebiet erfolgreich) durch seinen Bekannten, Daniel Hawthorne, hineingezogen wird. Da agieren die zwei wie Holmes und Watson: Der eine, superschlau, beobachtet und zieht seine Schlüsse, der andere versucht sich selbst als Detektiv, bleibt aber immer der Schüler. Obwohl Horowitz über Hawthorne schreiben will, wird ihm vieles verheimlicht. Lesen sind wir sozusagen die Dritten im Bunde, indem wir uns auf die Ermittlungen einlassen und dabei unsere „kleinen grauen Zellen“ trainieren.

Wie zu erwarten, bleibt es nicht bei einem einzigen Todesfall. Es gibt jede Menge Verdachtsmomente und falsche Fährten, auch eine höchst unsympathische  Polizistin, die Horowitz bedroht und auszuhorchen versucht. Doch am Schluss, da können wir sicher sein und ganz entspannt weiterlesen, wird sich nach vielen Verwicklungen alles sich lösen. Ohne Schusswaffengebrauch, der in den meisten Krimis üblich geworden ist. Freilich gibt es einen Messerstich, doch der ist nicht besonders tief. Und es gibt viele literarische Bezüge – zu Anthony Horowitz‘ Büchern und vor allem zu Sherlock Holmes, den der Autor nicht als einziger kennt. „Sie müssen das Muster finden“, meint Hawthorne. Nur darum geht es: Angesichts von Untaten sich nicht für dumm verkaufen zu lassen.

Anthony Horowitz: Mord in Highgate. Roman. Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff. Insel Verlag, 347 S., geb., 22 €.

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