Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Alison Davies: The mystical YeaR

Das Verbindende existiert

„The Mystical Year“: Hol dir aus diesem Band, was zu dir passt

Von Irmtraud Gutschke

Das Wichtige: der Kampf gegen die Pandemie. Was alles uns in den Ohren gellt beim Nachrichtenhören und Zeitunglesen. Alarm zum Schutz unserer Umwelt, Angst vor einer weltweiten Wirtschaftskrise, Unruhen und Hochrüstung im geopolitischen Tauziehen – und in der Flut von Informationen ein Ich, das sich ohnmächtig fühlt.  Was soll da der „Schneemond“ im  Februar, muss ich mich fragen. Müsste ich statt „Mystical Year“ von Alison Davies nicht lieber „Die Welt nach Corona“ von D. F. Bertz oder „Letzte Chance. Warum wir jetzt eine neue Weltordnung brauchen“ von Gregor Schöllgen und Gerhard Schröder lesen? – Kann ich ja trotzdem. Ein bisschen Seelengymnastik ist doch nicht schlecht in diesen verrückten Zeiten.

 „Abstand ist Anstand“ steht auf einem Plakat. „Liebe dein Home-Office“, wirbt ein Möbelhaus im Internet. Diese Abgeschirmtheit – ob sie womöglich zur Einübung wird? Immerhin kann man auf windumwehten Waldwegen mehr Leuten begegnen als früher. Wären sonst in die Ferne geflogen und genießen nun die heimische Natur. Dass es „Imbolc“, das keltische Mondfest, gibt, müssen sie nicht wissen, auch dass dem Amethyst als Kristall des Monats Februar schon bei den alten Griechen und Römern schützende Kräfte nachgesagt wurden. Die Tarot-Karte für Februar, den Mond, braucht man nicht zu kennen, um in den Schneeglöckchen Verheißung zu spüren. Schon durch die großartigen  Illustrationen von Anastasia Stefurak ruft „Mystical Year“ danach, in die Hand genommen zu werden. Esoterik? Das ist auch so ein Begriff, der auf Abgrenzung zielt. Hol dir aus diesem Band, was zu dir passt. Dass er streng rationalen Menschen fremd ist, geschenkt. Gewiss gibt es Studien, in denen die mythischen Traditionen verschiedener Völker stärker systematisiert, nicht so vermengt sind wie hier. Aber dieses Verbindende existiert. Der Schnee- oder Hungermond der Native Americans versinnbildlicht  winterliche Not ebenso wie Hoffnung auf bessere Zeiten. „Das Rad des Jahres dreht sich weiter, und so wie die Jahreszeiten wechseln werden, wird sich auch deine Situation verändern!“

Alison Davies: The Mystical Year. Zwölf magische Monate voller Mythen und Bräuche. Illustrationen von Anastasia Stefurak. Aus dem Englischen von Janika Krichtel. Knesebeck Verlag, 142 S., geb., 16 €.

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