Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Matt Haig: The Comfort Book

Selbstermächtigung

Lebensweisheiten des britischen Autors Matt Haig

Von Irmtraud Gutschke

Wie schon in seinem Buch „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“, verarbeitet Matt Haig auch hier seinen eigenen Leidensweg. Wobei die Tatsache, dass er 1999 in eine tiefe Depression fiel und mit Angststörungen kämpfte, eher den Hintergrund bildet. Er will Lehren ziehen aus seinen Erfahrungen – und er weiß, dass viele Menschen ihrer bedürfen. Ein „Trost-Buch“: Solcherart Lebenshilfe-Ratgeber gibt es inzwischen viele auf dem Buchmarkt, und sie werden vielleicht gar nicht mal vornehmlich von jenen gekauft, die wirklich in Not sind, sondern von Leuten, die trotz einigermaßen komfortabler Lage unzufrieden sind. ( siehe Gernot und Rebecca Böhme „Über das Unbehagen im Wohlstand“, Suhrkamp 2021).

„Strebe danach, du selbst zu sein“ – in Zeiten, da Selbstverwirklichung für viele ganz oben steht, braucht man das eigentlich niemandem zu raten. Wie auf einer großen Bühne bewegen sich viele Leute gerade in der Stadt, besser gesagt, wie in einer Casting-Show. Wobei das Gefühl, sich dauernd beweisen zu müssen, nicht aus der Luft gegriffen ist. In einem Zustand ständiger Konkurrenz fallen Erregung und Müdigkeit in eins.

Da setzt Matt Haig auf Selbstermächtigung. Was er als erfolgreicher Autor auch leichter kann als andere, könnte man einwenden. Aber das stimmt nicht, jeder kan es, wenn er oder sie, den Karrierewettlauf nicht mitmacht. „Wenn du danach strebst, jemand zu sein, der du nicht bist, wirst du immer scheitern.“ Souverän zu werden gegenüber fremder Leistungsbewertung, darum geht es. „Deinen Selbstwert findest du nicht in den Köpfen anderer Menschen.“ „Hab keine Angst, etwas zu verpassen. Wichtig ist nur, dass du dich nicht selbst verpasst.“

Ein Buch, das eigentlich nicht unbedingt schnell durchgelesen werden will. Man kann es an beliebiger Stelle aufschlagen, sich eine Passage zu Gemüte führen und vielleicht tatsächlich in einem inneren Aufruhr getröstet sein.

Matt Haig: The Comfort Boo. Gedanken, die mir Hoffnung machen. Aus dem Englischen von Hella Reese. Droemer, 252 S., geb., 20 €.

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