Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Neue Schule

Ohne Illusionen

Von Irmtraud Gutschke

Ihre Eltern schlagen sich irgendwie durchs Leben, und auch sie werden es tun. Irgendwie. Also warum sich jetzt um eine Zukunft den Kopf zerbrechen, in der schwerlich irgendwelche Blütenträume reifen werden. Die 14 Erzählungen dieses Bandes handeln vom Leben im Jetzt: mit Liebessehnsüchten, Schuldgefühlen, Frust, Kränkung – und immer wieder mit Bier und Zigaretten, in denen auch manchmal „Gras“ ist. Beinahe wäre eine Tankstelle in die Luft geflogen, aber nur ein Moped hat es erwischt. Kopfschmerzen wegen zu viel Alkohol. Zwei Freundinnen verlieren einander, weil die eine die Prüfungen nicht schaffen wird, und die andere, besser Gestellte, das deren Mutter erzählt. Ein Mädchen erkennt, dass sie lesbisch ist. Ein Junge will bei illegalen Boxwettkämpfen Geld machen, und seine Freundin ängstig sich um ihn – zu Recht. „Gladiatorenkämpfe der Jetztzeit. Während die Elite mit grünen Smoothies an einem möglichst störungsfreien Leben bastelt, entlädt sich die aufgestaute Wut der Jugend in illegalen Zweikämpfen ohne medizinische Versorgung.“ So wie „Tigerwäsche“ von Anna Kampmann geht es auch in anderen Texten um diesen Gegensatz.

Die krisenhafte Stimmung im Ganzen spiegelt sich im Einzelnen. Die jungen Autorinnen und Autoren sind ohne Illusionen. Man würde gern mehr über sie erfahren: wann und wo geboren, frühere Arbeiten usw. Aber der Verlag beglückt uns lediglich mit einer Kurzbiografie des Herausgebers Leander Steinkopf. Ein Nachwort seinerseits wäre dem Band dienlich gewesen. Sind einige der Autorennamen vielleicht Pseudonyme? Nicht alle auf jeden Fall, denn einige Schriftstellerinnen und Schriftsteller sind durchaus bekannt.

Andererseits: Wenn 12 bis 18-Jährige diese Texte lesen, könnte es sein, dass derlei Fragen sie gar nicht so sehr interessieren, dass sie das Geschriebene pur nehmen und mit ihrem Erleben vergleichen. Dabei, wage ich die Prognose, wird dieses Buch gut abschneiden.

Leander Steinkopf: Neue Schule. Prosa für die nächste Generation. Claassen, 304 S., geb., 22 €.

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