„Menschen sind gar nicht so gefährlich“
Irmtraud Gutschke
Die Welt ist ins Rutschen gekommen. Nichts bleibt, wie es war. Sogar die Vampire haben sich geändert. Sie müssen sich die Zähne putzen, essen Muffins. Manche wie Ophelia, die ältere Schwester von Victor, sind Vegetarier geworden und trinken nur noch Tomatensaft. Und haben strenge Eltern. Weil Victor nachts zum Botanischen Garten will, um die Königin der Nacht erblühen zu sehen, muss er das heimlich tun.
Und es ist gefährlich. Wenn Menschen ihn erkennen, können sie Wurst aus ihm machen. Also schnell raus aus dem Bus, als er einen Mann in eine Wurst beißen sieht.
Eine überaus witzige Geschichte haben sich Stephanie Runge und Jutta Wetzel ausgedacht. Beste Voraussetzung, dass Kinder ab 7 den extra groß gedruckten Text selber entziffern. So viele unerwartete Wendungen, zumal Victor sogar noch Rasputin, seinen Grottenolm, in der Tasche hat. Und der verliebt sich. Warum denn eigentlich nicht.
Auf einem Markt stockt ihm der Artem. „So viele Menschen! Und alle auf der Suche nach Futter. An einem Fleischstand wird ihm richtig schlecht. Gegen ein Mädchen mit roten Zöpfen verteidigt er sich mit einem Plastik-Entchen. Aber die ist freundlich und entdeckt sein Geheimnis. „Na, ihr Vampire trinkt doch Menschenblut“, sagt Selma „und wird ganz blass unter den Sommersprossen“. Das muss Victor richtig stellen, und dabei vereliert er seine Angst: „Menschen sind gar nicht so gefährlich.“
Vorurteile. Wenn es nur so einfach wäre, dass sie sich in Wohlgefallen auflösen! Warum soll man bei aller Verschiedenheit nicht friedlich zusammenleben? Darum geht es in dieser wirklich lustigen Geschichte, die Eltern ans Herz gelegt sei, um sie Schülerinnen der ersten oder zweiten Klasse zu kaufen.
Stephanie Runge und Jutta Wetzel: Vampire und Monster. Tulipan ABC, 44 S., geb., 10 €.