Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Jens-Fietje Dwars: Die Ein-Wunsch-Fee

Weil (fast) alles eine Kehrseite hat

Irmtraud Gutschke

Was würde man tun, wenn man dieser Fee begegnete? Sie ist gnädig, erfüllt Wünsche. Aber jedem nur einen einzigen. Niemand jubele zu früh. Ein Reicher, dem alles Gold wird, muss am Ende verhungern. Ein Bettler, der nie mehr hungern will, ist damit am Ende nicht mehr zufrieden. Eine Ärztin kann sich über spektakuläre Erfolge freuen und zieht Missgunst auf sich. Ein Maler, der sich mit Hilfe der Fee selbst überbot, war dennoch nicht mit sich zufrieden. Einen Zehnkämpfer, der immer gewann, wollte am Ende niemand mehr sehen. Weil man nicht mehr mit ihm mitzufiebern brauchte, weil es dadurch langweilig war …

Und selbst das „Cleverle“, ein „Vollblutjournalist“, welcher mit Charme und Schlagfertigkeit „Auf jeden Satz“ eine eine Entgegnung parat hatte, wird am Ende enttäuscht. Zwar schafft er es, die Fee zu überlisten, sodass alle Wünsche in Erfüllung gehen, doch fühlte er sich so wunschlos am Ende auch leer. Und die Moral von der Geschicht‘? Alles hat eine Kehrseite, jeder Zustand ist eine „Einheit von Widersprüchen“, wie uns die Dialektik lehrt. Verändern wir ihn, werden neue Widersprüche entstehen. Das vorauszusehen, ist keinesfalls unmöglich. Nur nachdenken muss man, über das Momentane hinaus, ohne die verbreitete Selbstsucht und Eitelkeit, die Gier, die sich mancher noch als Erfolgsstreben anrechnet.

„Für Kinder von 9 bis 99“ hat der Schriftsteller und Verleger Jens-Fietje Dwars dieses Buch erdacht, das literarisch wie auch optisch zu bezaubern vermag. In gewisser Weise hat er es sich selbst zum 65 geschenkt. Da darf man sich ja schon ein wenig Weisheit zugute halten oder sogar viel, wenn man Glück hat. Dwars hat Glück – was immer auch sei, jederzeit sind ihm kluge Gedanken parat. Und an phantastischen Einfällen mangelt es nicht. Er kann das Märchen von Hänsel und Gretel ganz anders erzählen als die Brüder Grimm, kann mit einem chinesischen Zauberer durch die Lüfte fliegen und „die Melodie der Dinge“ hören.

Jens-Fietje Dwars: Die Ein-Wunsch-Fee und andere Märchen für Kinder von 9 bis 99. Edition Ornament im Quartus Verlag, 72 S., geb., 20 €.

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