Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Jana Walczyk: Was raschelt da im Laub?

Igel trifft Spitzmaus

Was sich alles in der herbstlichen Natur entdecken lässt

Den Herbst hat nicht nur der Dichter Peter Hacks mit einem Maler verglichen. Und Maler müssen begeistert sein angesichts der besonderen Farbenpracht in dieser Jahreszeit. Da hat die junge Grafikerin Jana Walczyk aus Bramsche bei Osnabrück ein kleines Buchkunstwerk geschaffen. Was raschelt da im Laub? Ein Braunbrustigel trifft eine Hausspitzmaus. Dazwischen Hagebutten, Kastanien und Eicheln … Jana Walczyks Herbstbilder sind von berückender Schönheit. Ja Schönheit, wie sie andere Künstler oft fürchten, weil dadurch angeblich das Bedrohliche, Konflikthafte der Wirklichkeit überdeckt werden könnte. Aber gerade weil es diesen Stress gibt, brauchen Menschen doch die als schön empfundene Natur so sehr. Da blättere ich in diesem Buch und bekomme sofort Lust, in den Wald zu gehen. Eine Marone sehe ich, Schopftintlinge und Herbsttrompeten, die, so unansehnlich sie wirken, sehr gute Speisepilze sind. Die haben andere Pilzsammler sicher stehenlassen.

Dem Steinmarder, dem Siebenschläfer und der Ringelnatter werde ich wahrscheinlich nicht begegnen und die verschiedenen Käfer womöglich übersehen. Aber auf den Bildern in diesem Buch sind sie alle bezeichnet. Und darüber hinaus hat jede Seite eine Klappe, hinter der sich interessante Informationen verbergen — zu den Laubbäumen im Jahreslauf, zur Ernährung der Wildtiere, über ihr Überwintern und auch darüber, was unter der Erde alles lebt. Dass Marienkäfer sich an geschützten Stellen sammeln, um gemeinsam die Kälte zu überstehen, ich wusste es nicht wie so vieles, was mir das Buch offenbart.

Und dabei der Gedanke, dass es bald mit dem schönen Farbenspiel vorbei sein kann, wenn es kälter wird. Also wirklich, morgen gehe ich in den Wald.

Irmtraud Gutschke

Jana Walczyk: Was raschelt da im Laub? Edition Nilpferd, 32 S., geb.,
16,95 €.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

 

© 2020 Literatursalon

Login