Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Jules Verne: 20.000 Meilen unter dem Meer

Die Musik des Meeres

Von Irmtraud Gutschke

Wenn ein Riesenkrake döst, heißt es, haben ihn Seefahrer manchmal mit einer Insel verwechselt. Im Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ von Jules Verne wird ein stählernes Objekt für ein Meeresungeheuer gehalten, später taucht aber tatsächlich ein furchteinflößender Krake auf und hätte das Unterseeboot beinahe in die Tiefe gezogen. Ein Unterseeboot? So etwas gab es bei Erscheinen des Romans 1870 noch nicht. Mit seiner Phantasie hat der französische Autor eine technische Entwicklung vorweggenommen – und eine heutige Warnung. Denn Kapitän Nemo will sich mit seiner „Nautilus“ den Feindschaften und Kriegen auf Erden entziehen, verbirgt seine Erfindung aus Angst vor Missbrauch. Verständlich, dass er Professor Aronnax und Ned Land, die er rettete, nicht wieder weglassen will.

Im gleichnamigen Bilderbuch wird die Geschichte für Kinder auf gekonnte Weise gerafft erzählt. Und das beste: Es liegt eine CD bei – ein Hörspiel, in dem der Komponist Henrik Albrecht seine Jules-Verne-Adaption zu einer Orchestererzählung macht. „Die Pracht und Weite des Meeres wird mit Musik dargestellt. Die Blechbläser schmettern und die Streicher wogen in Wellenbewegungen hin und her…“ Auf jeder Buchseite gibt es, kursiv gedruckt, solche Musik-Erklärungen für aufmerksameres Hören. „Der Mensch ist nur ein winziger Teil dieses Planeten“, heißt es am Schluss. „Und wenn wird die Erde bewahren wollen, müssen wir lernen, die Wunder unserer Welt zu sehen, ganz gleich ob über oder unter Wasser.“

Die Wunder – darum geht es. Dass wir die Phantasie in uns wachsen lassen und bei allem Vorwärtsstreben das Staunen nicht verlernen.

Jules Verne: 20.000 Meilen unter dem Meer. Musik und Nacherzählung von Henrik Albrecht. Illustrationen von Elisa Vavouri. Buch mit CD. Annette Betz Verlag, 30 S., geb., 24,95 €.

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