Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Nini Alaska: Zickenzeit

Witzige Vorbereitung aufs „schwierige Alter“

Von Irmtraud Gutschke

„Oh, oh, sagt Mama. Und: Jetzt ist sie da, die Zickenzeit, sagt Papa.“ – Ob Vier- bis Sechsjährige sich schon mit der Pubertät beschäftigen müssen? Nun, wenn sie ältere Geschwister haben wie Fritzi und Franzi im Buch, wewrden sie ja mit dem Problem konfrontiert. Warum Ottilie sie plötzlich „Babyziegen“ nennt und nicht mehr mit ihnen spielen will, wundern sich die beiden. Sie hat Kopfhörer auf den Ohren und hört wummernde Musik. Bevor sie zur Schule geht, blockiert sie das Badezimmer, weil sie sich schminken muss, und zwängt sich in eine knallenge Hose mit Löchern. Nini Alaska, die in Hamburg lebende Autorin und Illustratorin, die zunächst für ihre eigenen Kinder Geschichten zu erfinden begann, weiß das alles so genau, dass Erwachsene schmunzeln werden. Und sie hatte den grandiosen Einfall, alle Personen im Buch als Zicken oder Böcke zu malen. Stimmt es etwa nicht, dass wir in jedem Lebensalter unsere Launen haben?

Da erinnere ich mich an eine erstaunliche Ansage während eines Familientreffens: „In einem Jahr komme ich in die Pubertät, dann bin ich unausstehlich.“ So stellte sich die Tochter meiner Cousine vor uns hin. Sie war damals elf, wahrscheinlich hatte sie es von ihrer Mutter gehört. Und es passierte gar nicht gleich. Mit dreizehn ließ es sich nicht mehr übersehen, aber unausstehlich war sie keineswegs. Wunderbar einfühlsam beschäftigte sie sich mit dem Familiennachwuchs. Das Buch von Nini Alaska bringt mich auf den Gedanken, dass es womöglich tatsächlich für kleine Kinder gut ist, wenn sie etwas über das „schwierige Alter“ erfahren. Nicht nur im Hinblick auf eine ältere Schwester, sondern auch für sich selbst, um irgendwie vielleicht doch auf Veränderungen gefasst zu sein und sich selber auch mal von der Seite betrachten zu können.

Der Streit zwischen den drei Zicken im Buch endet übrigens in einem gemeinsamen Gelächter und einer Einladung zum Eisessen. Wie es dazu kommt? Das soll hier nicht verraten werden.

Nini Alaska: Zickenzeit. Tulipan Verlag, 48 S., geb., 15 €.

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