Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Wildtiere in der Stadt

Nicht nur uns Menschen gehört die Stadt

Susanne Riha lässt uns einen kleinen Fuchs begleiten

Irmtraud Gutschke

Ob kleine Kinder aus ihrer Natur heraus wohl Tieren näher sind als wir?  Erwachsene teilen ein, was ihnen angenehm ist und was nicht. Eine Katze ja, ein Eichhörnchen, ein Rotkehlchen, aber bitte keine Mäuse, gar Ratten im Haus oder Wildschweine im Garten. Kinder machen diese Unterschiede erst, wenn man es ihnen beibringt. Sie achten alle lebendigen Wesen und haben ein besonderes Mitgefühl für sie, wenn es sich um junge Tiere handelt. Insofern war es eine gute Idee, dass Susanne Riha einen kleinen Fuchs in den Mittelpunkt ihres Bandes stellt. Treuherzig blickt er uns vom Buchumschlag an, während hinter ihm die Lichter in den Häusern verlöschen und die Sterne am Himmel aufscheinen, wie es leider in den hellbeleuchteten Städten schon selten geworden ist.

Dass viele Wildtiere vornehmlich in der Dämmerung oder in der Nacht unterwegs sind – Eulen, Dachse, Igel, Fledermäuse und eben auch Wildschweine und Dachse – dürften Erwachsene wohl wissen. Warum aber bleiben sie nicht im Wald, warum suchen sie unsere Nähe? In eingängig erklärenden Sätzen und schönen, detaillierten Bildern nimmt uns Susanne Riha mit auf einen Stadtbummel besonderer Art. Da hat sich eine Blaumeise in einem Ampelmast ein Nest gebaut. Eine Eule jagt eine Maus, und wir sehen auch, wie viele Eulenarten es gibt. Dachse versuchen, in eine  Garage zu kommen, weil sie die Abfalleimer riechen. Eine Rabenkrähe attackiert einen Igel. Marder haben es sich in einer Werkstatt bequem gemacht. In der Morgendämmerung laufen die Eichhörnchen durch den Park. Und es leben auch immer mehr Insekten in unserer Nähe… Die Stadt  gehört eben nicht nur uns Menschen. Dafür ein Bewusstsein zu wecken, ist dieses Buh auch für diejenigen gut, die nicht bereuen werden es gekauft zu haben. Wenn sie es mit Kindern ab fünf zusammen betrachten und wohl nicht nur einmal daraus vorlesen müssen, finden sie Zuspruch und sogar für sich selbst manches Wissenswerte.

Susanne Riha: Wildtiere in der Stadt. Einem kleinen Fuchs auf der Spur. Annette Betz Verlag, 32 S., geb., 20 €.

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