Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Kalender Berliner Geschichte

Wissenswertes noch und noch

Von Irmtraud Gutschke

Badefreuden im Wannsee zeigt das Titelblatt, denn dort gibt es seit dem 8. Mai 1907 ein Freibad. Aber nicht weit von dieser erfreulichen Szene ist am 16. Januar 1912 sind am 16. Januar 1912 der aufstrebende Lyriker Georg Heym und sein ebenfalls dichtender Freund Ernst Balcke ertrunken. Beim Schlittschuhlaufen brachen sie unweit der Insel Schwanenwerder durchs Eis. Und 20.Januar 1942 fand im repräsentativen Gästehaus der Sicherheitspolizei die berüchtigte Wannseekonferenz statt, deren Ziel es war, die „Endlösung der Judenfrage“ effizient zu organisieren.

Licht und Schatten – wie sich gerade in der Berliner Geschichte Widersprüchliches zusammenballt, wird in dem „Kalender Berliner Geschichte“ besonders sinnfällig. Wieder einmal führt hat Marc Lippuner Orte und Ereignisse vor Augen, die manch einem bekannt, anderen aber auch nicht gegenwärtig sein dürften: die Grundsteinlegung an der Stalinallee am 3. Februar 1952, am 21. April 1847 der Beginn der „Kartoffelrevolution“, weil nach einer Missernte die Preise für Grundnahrungsmittel bis auf das Fünffache angestiegen waren – 45 Läden wurden geplündert, die preußische Kavallerie griff ein -, am 2. Juni 1967 wurde Benno Ohnesorg erschossen, was ein Schlüsselereignis für die Radikalisierung der westdeutschen Studentenbewegung war. Am 24. Juni 1922 wurde Walther Rathenau von Angehörigen der rechtsterroristischen Organisation Consul erschossen. Wenn das vielen bekannt war, der „Spandauer Knüppelkrieg“ vom 8. August 1567 wohl eher nicht. Zur Unterhaltung seiner Untertanen hatte der brandenburgische Kurfürst Joachim II. ein Schaumanöver veranstalten lassen, bei dem die Spandauer eigentlich verlieren sollten. Aber die rächten sich …

Was alles hier zusammengetragen ist und Woche für Woche auf wenigen Zeilen präzise beschrieben wird, ist wirklich erstaunlich. Wobei es Marc Lippuner wie auch im früheren Kalendern gelingt, die Stadt auf eine selbstverständliche Weise als Ganzes zu betrachten, also nicht nur den Westen so wie manche die DDR vergessen, wenn sie von Deutschland reden. Und wie passend zu Weihnachten, dass am 20. Dezember 1812 die Erstausgabe von Grimms Märchen herausgekommen ist.

Marc Lippuner: Berliner Geschichte. Kalender 2022. Elsengold Verlag, 56 S., 22 €.

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