Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen

Weibliche Ermächtigung

Irmtraud Gutschke

Wie prächtig dieses Buch schon aussieht! Wie liebevoll es von von der Vietnamesin Camelia Pham gestaltet ist! Und mit welcher Fülle an Informationen die Britin Hazel Atkinson glänzt! Internationale Sichten auf ein Phänomen, welches rund um die Welt beheimatet war und in gewisser Weise noch ist: Zauberei. Kindern ab zehn verbindet sich dieses Buch mit Harry Potter. Aber das geschieht nur auf den ersten Blick, indem es ein schon gewecktes Interesse anspricht. Denn viel Tiefschürfenderes wird hier angestrebt: umfassende Informationen, wie weibliche Magie in vielen Kulturen beheimatet war und zum Teil noch ist.

Hexen: Da denkt man zuerst an die Grausamkeiten der Hexenverfolgung. Die werden hier nicht verschwiegen, stehen aber auch nicht im Vordergrund. Wichtiger ist, die Gründe dieser Feindseligkeiten zu verstehen. Überhaupt setzt Hazel Atkinson auf Erklärungen, woraus sich eine interessante Spannung zu den phantasievollen Bildern von Camelia Pham ergibt. Wer dieses Buch zur Hand nimmt, wird den Begriff Magie nicht von vornherein als etwas Unsinniges abtun. „Rationalisten“ und „Phantasten“ dürften zumindest in der Schlussfolgerung verbunden sein, dass ein Versuch der Ermächtigung ist, ein Mittel gegen die Ohnmacht, die den Menschen auf vielfältige Weise bedroht.

Nicht hilflos ausgeliefert sein, sondern etwas tun zu können, darin besteht ihr Reiz bis heute. Und wäre die Autorin nicht auch selbst davon fasziniert, hätte ihr ein solches Buch nicht gelingen können. Auf kundige Weise führt sie durch die Jahrhunderte und durch die Geschichte verschiedener Völker. Es ist doch interessant, dass es Überlieferungen von Hexen und Zauberinnen fast überall gegeben hat. Da werden auch heutige Stereotype befragt. Überlieferte „Zauberbücher“ werden betrachtet, Legenden erzählt in aller Kürze. Ums Wahrsagen geht es und um Hexenwerkzeuge. Eigentlich sind ja die okkulten Bewegungen nie ganz verschwunden, wozu nicht nur die Märchen, sondern heutzutage in besonderem Maße Film und Fernsehen beigetragen haben. Schließlich hat die feministische Bewegung Hexen sympathisch gemacht.

Frauen, die sich nicht dem Üblichen unterordneten, die besondere Fähigkeiten in sich verorteten und diese auch ausleben wollten. Weibliche Ermächtigung unter schwierigsten Bedingungen. Und wer würde es sich nicht auch heute manchmal Wünschen, Zaubern zhu können,

Hazel Atkinson und Camelia Pham: Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen. Verlag Dorling Kindersley, 144 S., geb., 20 €.

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