Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Für Mama hole ich den Mond vom Himmel

Die erste große Liebe

Von Irmtraud Gutschke

Es ist schon ein gewohntes Bild: Eine Mutter schleppt ihr Kind und zieht den Kinderwagen hinter sich her. Weil es auf den Arm wollte, müde ist oder einfach nur liebebedürftig. Alles mögliche kann man kritisch sehen in unserer Zeit, aber im Umgang mit Kindern zeigt sich etwas Neues, Schönes. Immer haben Mütter ihre Kinder geliebt, doch lange war die Vorstellung verbreitet, dass Kinder lernen müssten, ihre Bedürfnisse gegenüber den Erwachsenen zurückzustellen. Da war alle Hoffnung auf das Größer- und Vernünftigerwerden gerichtet, statt sich an jenem Zustand zu freuen, der nie wiederkehrt.

Zwischen dem kleinen Frosch und seiner Mama aber ist alles bestens. Nicht nur die Mutter bekundet dem Kind ihre Liebe, sondern sie bekommt auch Liebe zurück. Da schafft es der Niederländer Yoeri Slegers, dass wir diese Liebe sogar in den Augen der beiden Frösche sehen. Wie sie einander anblicken! Die Mama erlaubt, dass das Kind ihr auf dem Kopf herumtanzt. Und siehe da: Es macht sich zum Beschützer. „Du brauchst keine Angst zu haben, ich passe immer gut auf dich auf.“ Das ist fein beobachtet und enthält sogar eine ernste Warnung. Sollte der Kleine Angst um die Mutter haben, würde er sonstwas tun, ungeachtet jeder Gefahr.

Blumen pflücken kann er, vielleicht gar einen Kuchen backen. Aber den Mond vom Himmel holen vor lauter Liebe? Geht das? – Nein! – Aber ist es nicht schön, wie der kleine Frosch das versucht? Wie mutig er ist? Würdest du auch auf einen Baum klettern? – Ich kann das! – Müsstest du nicht vorsichtig sein? – Ich bin vorsichtig, ich falle nicht runter. – Aber mach es lieber nicht. Siehst du, da bricht ein Ast, und der Frosch fällt runter. „Hilfe“, schreit er. Nur gut, dass die Mama ihn auffangen kann. – Papa fängt mich auch immer auf, wenn ich vom Klettergerüst springe. – Aber sei vorsichtig. – Bin ich doch.

Wunderschöne Bilder, so ausdrucksstark in Grün und Schwarz. Ein Buch für Kinder ab drei, wärmt auch Erwachsenen das Herz, handelt es doch von der ersten große Liebe, die einem als Erinnerung bleibt und in unseren Sehnsüchten steckt.

Yoeri Slegers: Für Mama hole ich den Mond vom Himmel. Aus dem Niederländischen von Meike Blatnik. Annette Betz Verlag, 32 S., geb., 14,95 €.

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