Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Wie man mit Tigern spricht

Furzende Heringe

Ein erstaunliches Buch über die geheimnisvolle Welt der Tiersprachen

Von Irmtraud Gutschke

Ein Kinderbuch? Die kräftig farbigen Illustrationen von Kelsey Buzzell deuten darauf hin, wie auch der Fakt, dass Jason Bittel seine Leserinnen und Leser mit „du“ anspricht. Empfohlen für Acht- bis Vierzehnjährige? Aber hallo, für deren Eltern und Großeltern ist es ebenso gut. Die werden nämlich staunen, was sie alles nicht wissen und bekommen es ohne große Umstände erklärt. Die Wahrscheinlichkeit, mir nichts, dir nichts einem Tiger zu begegnen, ist gering. Aber gut zu wissen, was es bedeutet, wenn er mit dem Schwanz auf dem Boden schlägt. Viele Tiere kämpfen ja um Rangordnungen, Hunde auch. Es heißt immer, dass sie ängstlich sind, wenn sie die Rute zwischen die Beine klemmen. Aber auch mit eng angelegten Ohren können sie gefährlich werden. Wie Honigbienen einander Signale geben, wie Flamingos tanzen, wie Dohlen ihren Nistraum behaupten, wie Schimpansen ihre Augen zur Verständigung nutzen, das Opossum sich auf geschickte Weise tot stellen kann und vieles mehr kann man erfahren. 75 Prozent aller tierischen Ozeanbewohner können Licht erzeugen. Zackenbarsche jagen häufig im Team mit anderen Fischarten. Und Heringe kommunizieren, indem sie Furzgeräusche erzeugen.  Fünfmal schneller als in der Luft werden sie im Wasser übertragen, denn das leitet den Schall bekanntlich besonders gut.

Während Fledermäuse per Ultraschall kommunizieren, tun das Elefanten mit Infraschall, mit Schallwellen, die tief unter unserem Hörvermögen liegen. Ihre Stimmbänder sind achtmal so groß wie unsere. Und sie hören mit ihren Füßen, die über Dutzende von Sinnesrezeptoren verfügen. Sie können ihre klumpigen Füße sogar ganz platt machen, um Bodenerschütterungen genauer wahrnehmen zu können. Und ihr Rüssel besteht aus 40 000 Muskeln, während wir nur rund 650 haben. Sie können damit streicheln und hervorragend riechen.

Wölfe heulen nicht den Mond an, wie viele glauben, sondern versammeln das Rudel auf diese Weise zur Jagd. Präriehunde können mit ihren Alarmrufen sogar das Aussehen eines möglichen Angreifers beschreiben. Werfen Schimpansen in den Wäldern Westafrikas Steine gegen die Bäume, um miteinander zu kommunizieren? Vieles haben Verhaltensforscher schon über Tieren herausgefunden. Nur ein Bruchteil davon ist allgemein bekannt. Von Affen bis Zitteraal – das Register in diesem Buch hilft beim Nachschlagen.

Jason Bittel, Kelsey Buzzell: Wie man mit Tigern spricht. Über die geheimnisvolle Welt der Tiersprachen. Insel Verlag, 60 S., geb., 16,95 €.

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