Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Attilio: Pinocchio

Die Puppe mit der langen Nase

Eine neue Ausgabe von Pinocchio von Attilio Cassinelli

Von Irmtraud Gutschke

„Pinoccio“ beschäftigte ihn schon lange. Schließlich hat der italienische Kinderbuchautor Attilio Cassinelli  seinen künstlerischen Weg in den 50er Jahren damit begonnen, dass er sich in Mailand mit Werbegrafik beschäftigte und Puppen für Kinder entwarf. Wie der Tischler Gepetto aus dem Märchen seines des italienischen Autors Carlo Collodi, der eine Holzpuppe schnitzte, die sich aber selbstständig machte. Seitdem die Geschichte 1883 erstmals gedruckt erschien, hat es schon viele  Buchvarianten, Verfilmungen, Vertonungen und Theaterstücke gegeben. Unter dem Titel „Buratino oder Das goldene Schlüsselchen“ schuf der russische Schriftsteller Alexej Tolstoi eine eigene Version.

Auch Attilios ließ sich inspirieren. Seine Tafelserie zum 100. Geburtstag Pinoccios wurde zum begehrten Sammlerobjekt. Und nun ein Pappbilderbuch für die ganz Kleinen. „Pinoccio sprang herum, tanzte“ – dieses Bild wird ihnen besonders gefallen. Dass seine Nase immer länger wird, wenn er wieder einmal eine Lüge erzählt, um das zu verstehen, braucht es wohl schon zwei, drei Lebensjahre. Wie er einen Hammer nach der „sprechenden Grille“ wirft, sorgt für Gelächter. Den Feuerschlucker im Puppentheater müssten die Eltern wohl erst erklären, und das mit dem versuchten Mord an Pinoccio sollten sie feinfühligen Kindern lieber verschweigen.

Überhaupt ist hier die Phantasie von Erwachsenen gefragt, die durchaus zu „Mitautorinnen bzw. -autoren dieses Buches werden könnten. Denn die Originalgeschichte nimmt viele Wendungen, die hier nur ganz verkürzt wiedergegeben sind. Es ist ja ein grandioses Abenteuer, das Attilio hier vor Augen führt. Wenn Kinder begreifen, dass  Abenteuer auch im Kopf stattfinden können, eröffnet sich ihnen ja eine ganz neue Welt. Da kann man sich zu jeder einzelnen Seite dieses Buches etwas Neues ausdenken. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Attilio Cassinelli: Pinoccio. Aus dem Italienischen von Vivienne Danne. lInsel Verlag, 44 S., Pappbilderbuch, 9,95 €.

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