Willkommen in meinem Literatursalon
Irmtraud_Gutschke

Lesen macht glücklich, weil es uns sagt, wer wir sind und wer wir sein wollen, weil wir über uns hinauswachsen, in fremder Haut erleben dürfen, was uns sonst verschlossen bliebe. Heutzutage scheinen wir ja in Informationen zu ertrinken und haben doch das Gefühl, dass uns Wichtiges fehlt. Was ich suche, sind Bücher, die in diesem Sinne nachdenklich machen, ja auch solche, von denen ein Leuchten ausgeht. Viele Jahrzehnte habe ich als Literaturredakteurin mit Hunderten, ja Tausenden von Texten zu tun gehabt, auch selber Bücher geschrieben. Die Neugier auf Neues will ich hier mit anderen teilen.

„literatursalon.online“: Stellen Sie sich vor, wir sind zusammen in einem schönen Saal, und Sie möchten von mir wissen, was sich zu lesen lohnt. Was interessiert Sie denn, frage ich zurück. Politische Sachbücher? Gute Romane und Erzählungen? Spannende Krimis? Bildbände, die man immer wieder betrachten möchte? Mit meiner Auswahl lade ich Sie zu Ihren eigenen Entdeckungen ein.

Irmtraud Gutschke

Wenn Sie mehr über mich erfahren wollen - meine Biografie, meine Bücher und Veranstaltungen - , schauen Sie auf meine Webseite www.irmtraud-gutschke.de

Kat Menschik: Mehr Essen essen

Kunst & Kochen

Irmtraud Gutschke

Wie eine kunterbunte Sommerwiese ist dieses Buch – nicht nur illustriert, sondern Seite für Seite durchgestaltet von Kat Menschik. Man darf sich vorstellen, wie die Künstlerin sich die Freude macht, an ihrem Computer diesen neuen Band ihrer weltberühmten Reihe „Lieblingsbücher“ zu kreieren, und zwischendurch in ihren Garten geht, wo allerlei Kräutlein wachsen, die sie für ihre Gerichte wohl verwenden kann. Die sind, bis auf eines, vegetarisch und brauchen den vollen Geschmack.

Zu Beginn ein Selbstporträt – das blonde Haar mit Salatblättern und Radieschen geschmückt. Zum Lachen! Das will sie ja, dass wir lachen, ganz locker werden, alles Verklemmte von uns abschütteln. Zu Neujahr hat sie sich vorgenommen, nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Butter, Sahne und Zucker zu verzichten. Nun ganz so asketisch geht es dann nicht zu.

Allerdings: „Wir essen frühestens um 12 Uhr die erste kleine Mahlzeit. Abends kochen wir. Ich mache Yoga und dusche kalt.“ Ein Gläschen darf es auch mal sein. Am besten mit einer der Freundinnen, die namentlich auch im Besuch vorkommen. Oder mit der kleinen Schwester, die auch Rezeptideen hat und hier auch abgebildet ist. Mit Kochlöffel; denn sie bereitet gleich einen winterlichen Eintopf, in dem Ingwer, Zwiebeln, Knoblauch nicht fehlen dürfen. Dazu „Goldene Milch“ – Kurkuma, Ingwer, Pfeffer und Zimt sorgen für heilsame Wirkung. Da wirkt dieses Buch auf Seite 12 schon mal auf mich – als Versprechen gegen meine momentan verstopften Nase.

Ein Geheimrezept scheinen auch die gebackenen Nudeln zu sein, die sogar die Ehre haben, den Buchumschlag zu zieren. Wir gut sich Möhren und Rote Bete vertragen, wusste ich bislang noch nicht. Und was man aus einer Dose Thunfisch so alles machen kann! Dazu Gin Tonic mit Himbeeren.

Und immer isst das Auge mit. Nich nur bei der „Knallpinken Suppe“ (auch die will ich probieren) – jede Seite des Buches lockt mit einer anderen Farbe. Und die Rezept-Texte sehn aus wie handgeschrieben. Diesen Eindruck will die Künstlerin ja: Jede Leserin, jeder Leser soll das Gefühl haben, ganz persönlich gemeint zu sein.

Kat Menschik: Mehr Essen essen. Galiani Berlin, 112 S., geb., 23 €.

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